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Wer kennt das nicht. Man ist wütend. Weil man schlecht behandelt wurde. So denkt bzw. empfindet man jedenfalls. Und schnell unterstellen wir eine negative Absicht. Ohne es genauer zu wissen. Die Motive des Gegenübers geraten unter Generalverdacht. Beinahe alles, was dieser unternimmt, scheint verdorben und schlecht. Eine Spirale entsteht, die rasch abwärtsführt. Immer tiefer in eine lähmende und bedrohliche Energie.

Das geht leider viel zu schnell und kommt leider öfter vor, als wir uns tatsächlich eingestehen. Die gute Nachricht ist, das lässt sich ändern. Dazu muss zunächst nichts Anderes getan werden, als Bewusstsein zu schaffen. Bewusstsein für das augenblickliche Phänomen und die eigene Rolle darin.

Um das zu erleichtern, ist das sogenannte Dramadreieck entwickelt worden. Ein Instrument, das hilft den eigenen Standort zu lokalisieren und die der übrigen Beteiligten – um so die Konstruktion des eigenen „falschen“ Films aufzulösen.

Was dafür benötigt wird ist Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber.


Bin ich gerade das Opfer?

Wird gerade Hoffnungs- und Antriebslosigkeit empfunden? Wird gerade tatenlos in der unzufrieden stellenden Situation verharrt? Sind zunehmend die äußeren Umstände oder andere Leute für die eigene Situation verantwortlich? Dann befinden wir uns gerade in der Opferrolle. Eine Rolle mit dem niemals endenden Verlangen nach Aufmerksamkeit. Eine Rolle, in der wir ein großes Stück Verantwortung und Kontrolle für unser Leben abgegeben haben.

Werden wir uns unserer Opferrolle bewusst und verlassen wir sie, in dem wir wieder die Kontrolle über unser Leben zurückgewinnen. Fangen wir wieder an, zu wollen. Und mit genau demjenigen darüber zu sprechen, mit dem das „Problem“ besteht. Erkennen wir unsere ganz eigene Wahrnehmung und Interpretation. Schaffen wir Toleranz für andere Wahrheiten. Verzeihen und verzichten wir auf das Recht auf Vergeltung.


Bin ich gerade Täter?

Ist gerade die Suche nach dem Schuldigen aktiv? Werden wir gerade überkritisch und sehen nur noch Fehler? Dinge, die andere falsch machen. Ertappen wir uns in einer herablassenden Haltung zu anderen? Haben wird den Eindruck, wir würden alles richtig machen - nur eben die Anderen nicht? Erleben wir uns umgeben von Versagern? Dann befinden wir uns in der Rolle des Täters. Zwar eine offensivere Rolle als die Opferrolle, aber nur, um von sich selbst abzulenken.

Werden wir uns unserer Täterrolle bewusst und verlassen wir sie, in dem wir wieder versuchen uns in die Lage der anderen zu versetzen. Lernen wir wieder anderen Personen Recht zu geben. Finden wir das Gute und Richtige in den Worten und Taten der anderen. Loben wir sie dafür.


Bin ich gerade Retter?

Wird die Welt als ein hilfloser Ort gesehen, der nur unsere Hilfe braucht? Wird immer nach dem gesucht was fehlt, solange wir das Fehlende besitzen oder beherrschen? Nehmen wir in unseren Beziehungen zunehmend eine selbstlose und erhabene Haltung ein, aus der wir meinen, die anderen „Opfer“ retten zu müssen? Dann befinden wir uns in der Rolle des Retters.

Werden wir uns unserer Rolle als Retter bewusst und verlassen wir sie, in dem wir Situationen erzeugen, in denen wir erklären und zeigen wie es geht, anstatt die Dinge immer selbst in die Hand zu nehmen. Helfen wir anderen, ohne Dankbarkeit oder Anerkennung zu erwarten. Berauben wir nicht länger anderen die Möglichkeit, etwas von dem zu lernen, was wir schon können. Machen wir uns entbehrlich, indem wir andere befähigen.


Die Belohnung

Als Belohnung für die Ehrlichkeit uns selbst gegenüber, als Belohnung unsere Dramen und unsere Rollen darin einzugestehen und als Belohnung für die Bereitschaft, unser Dramadreieck zu verlassen, werden wir freudvolle Präsenz und Charisma in Beruf und Privatleben erhalten. Wir werden Zufriedenheit, Gelassenheit und Vitalität zurückerlangen. Wir werden neue Möglichkeiten erhalten, unsere Talente und neue positive Fähigkeiten zu entwickeln. Wir werden zu echten Leadern.

Indem wir künftig immer erst von einer positiven Absicht ausgehen, die Kontrolle über unser Leben zurückgewonnen haben, uns in die Lage anderer versetzen und andere befähigen, besser zu werden als wir selbst, verlassen wir das „Dramadreieck“ und betreten das „Leadership-Dreieck“, in dem wir ganz andere Rollen einnehmen können. Drei neue Rollen, die uns helfen, sinnvoll zu agieren und es uns erleichtern, dem Dramadreieck dauerhaft zu entkommen:


Der Visionär

Sehen wir andere Menschen bereits so, wie sie selbst gerne wären. Übernehmen wir das Kommando und seien wir ganz anwesend und bereit, notwendige Entscheidungen zu treffen. Lassen wir uns von der Zukunft inspirieren und ziehen wir sie in die Gegenwart. Kommunizieren wir unsere Vision von der Zukunft.


Der Katalysator

Ein Katalysator beschleunigt chemische Reaktionen ohne von diesem Vorgang verbraucht zu werden. Wirken wir positiv auf unsere Umwelt ohne uns zu verbrauchen. Seien wir ein transformierender Energiespender für Individuen, Gruppen und Projekte. Wirken wir zwischen dem Heute und unserer Vision von Morgen. Geben wir uns die Erlaubnis für Aufruhe zu sorgen, um Dinge in Bewegung zu setzen.


Der Coach

Als Visionäre erzeugen wir ein wünschbares Bild von der Zukunft, als Katalysator setzen wir zur Erreichung die nötigen Energien frei und als Coach begleiten wir und erkennen und fördern die Talente und Fähigkeiten anderer. Uns selbst gegenüber haben wir dabei die Erlaubnis, uns selbst neu herauszufordern und zu wachsen.

Nehmen wir also wahr, was es in der jeweiligen Situation gerade braucht und handeln wir aus dem Leadership-Dreieck. Nehmen wir bewusst die neuen Rollen ein und probieren wir uns darin aus. Beginnen wir damit, dem Leben eine positive Absicht zu unterstellen.

Damit der falsche Film auch mal ein Ende hat. Ein „happy end“


ANWENDUNGSHINWEIS

Das Drama- bzw. Leadership-Dreieck ist nicht nur ein wunderbares Instrument zur Transformationsunterstützung von Einzelpersonen, sondern auch von Gruppen. Es ist ungemein nützlich, mit diesem Instrument die Gruppe über die kollektive Haltung im organisationalen Prozess bewusst werden zu lassen. Denn unserer Erfahrung nach, ist nicht der Mangel an Ideen der Innovations-Killer, sondern das empfundene Ohnmachtsgefühl einer Gruppe oder die unterstellten Barrieren anderer Gruppen oder Abteilungen.


QUELLE

Wir haben das Drama- bzw. Leadership-Dreieck dem Buch „Ein-Stellungs-Wechsel“ entnommen. Es ist 2011 erschienen und von Dr. James Peal, Dirk Jakob und Eriko Kopp-Makinose verfasst und herausgegeben worden.

Wir danken insbesondere Eriko Kopp-Makinose für dieses wundervolle Buch und die vielen guten Gespräche in den letzten Jahren. Mehr über dieses Buch können unseren Literaturtipps entnommen werden.