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Sicherlich könnte man jetzt Seiten mit hinreichenden Erklärungen füllen, um die 100% korrekte Bedeutung von Coaching abzubilden. Aber was ist schon korrekt und vor allem, aus wessen Sicht. Wir wollen kurz und knapp auf den Punkt bringen, was im Wesentlichen Sache ist, wenn man von Coaching oder Beratung spricht. Dabei orientieren wir uns stark am Konsens derjenigen, die in diesen Themenfeldern seit Jahren am verlässlichsten Orientierung geben. Den Verbänden. Denn Verbände haben sich zum Ziel gesetzt, ihren Berufsstand zu professionalisieren. Wir wollen an dieser Stelle keinen Coaching- oder Beratungsverband explizit nennen oder gar für einen werben. Interessierte Leser werden aber hierzu mithilfe bevorzugter Suchmaschinen schnell mehr erfahren.

Bevor wir einsteigen, sei kurz noch eingegrenzt, dass wir vornehmlich Business-Coaching und Business-Consulting mit nachfolgender Unterscheidung meinen. Also die Bereiche, die unsere Branche und unsere Kunden am ehesten betreffen.

Der Gegenstand
Der wohl größte Unterschied ist unserer Meinung nach der Gegenstand des Coaching- bzw. Beratungsauftrags. Während bei der Beratung im Sinne des Business-Consultings das Fach- oder Sachthema im Vordergrund steht, geht es bei Coaching um die Person(en).

Der Berater wird sich naturgemäß mit der Lösung des ihm zugetragenen Problems beschäftigen. Er wird nicht versuchen, mit dem Auftraggeber die Problemkonstruktion zu reflektieren, um das mögliche Problem hinter dem Problem zu identifizieren. Das heißt, der Berater ist eher Problemlöser, der in bestimmten Bereichen die Wissenshoheit besitzt und auch genau deshalb beauftragt wird.

Das Beziehungsverhältnis
Der Coach hingegen sieht sich als gleichberechtigter Gesprächspartner ohne Hoheiten. Für den Coach steht nicht das Sach- oder Fachthema im Zentrum, sondern die Person und ihre Sicht auf die Dinge. Er empfiehlt nicht, was das richtige Vorgehen zur Problemlösung wäre, wie es ein Berater täte, sondern verhilft dazu, eigene Lösungspotentiale zu erkennen, selbst Lösungswege zu entdecken und sie zu realisieren.

Das eher gleichberechtigte Verhältnis zwischen Coach und Klient ist stark partnerschaftlich und von einer gewissen Gegenseitigkeit geprägt. So verbinden sich Freiwilligkeit und Veränderungsbereitschaft des Klienten mit der Neugierde, Wertschätzung und Achtsamkeit des Coaches.

Das Ziel
Das vornehmliche Ziel des Coaches ist die Hilfe zur Selbsthilfe, durch die Förderung der Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung. Das Ergebnis eines gelungenen Coachings wäre zum Beispiel, ein durch den Klienten selbst erweiterter Möglichkeitenradius zur Problembewältigung auf Basis der eigenen Wahrnehmung, des eigenen Erlebens und Verhaltens.

Ein gelungenes Ergebnis einer Beratung wäre beispielsweise, wenn die eingekaufte Fachkompetenz im richtigen Umfang zur richtigen Zeit so zum Einsatz kommt, dass die vorhandene Kompetenzlücke geschlossen wird und kurzfristig zur Problemlösung beiträgt.

Der Gegenstand, das Beziehungsverhältnis und das Ziel machen also im Wesentlichen den Unterschied aus zwischen Coaching und Beratung.


Für all diejenigen, die jetzt gerne noch wissen möchten, worin der Unterschied zwischen Training und Moderation besteht, möchten wir kurz auf die Verwandtschaftsgrade eingehen. Denn zwischen der Business-Moderation und dem Business-Coaching besteht eine gewisse Verwandtschaft, denn auch die Moderation ist eher personenorientiert und weniger sachorientiert:

Die Moderation
Währen der Coach innerhalb des bilateralen Gespräches mit dem Klienten aktiv inhaltlich involviert ist, ist der Moderator der unbeteiligte Gestalter des Gesprächsraums innerhalb einer Gruppensituation. Er fordert, initiiert, fördert und steuert den Kommunikationsprozess und ist inhaltlich neutral. Der Moderator versteht sich tendenziell als Diener und Katalysator der Gruppe. Gegenüber dem Moderationsgegenstand sowie gegenüber der einzelnen Person und der Gruppe ist er neutral und ebenfalls auf die Freiwilligkeit und Offenheit der Beteiligten angewiesen.

Aber auch zwischen der Beratung und dem Training gibt es eine gewisse Verwandtschaft, was sowohl den Gegenstand als auch das Beziehungsverhältnis betrifft.

Das Training
Denn das Training kommt zwar auch in Gruppensituationen zum Einsatz, grenzt sich aber von der Moderation bzw. vom Coaching ganz wesentlich durch den inhaltlichen Schwerpunkt ab, der beim Training vornehmlich auf der Vermittlung und Einübung vorbestimmter Inhalte liegt. Das Beziehungssystem zwischen dem Trainer und den Klienten ist demnach asymmetrisch, da der Trainer die Inhalte sowie den Übungsprozess vorgibt und somit Informations- und Entscheidungshoheit besitzt. Ziel ist es also, beim Training den Klienten dazu zu verhelfen, bestimmte Techniken und Qualifikationen zu erwerben, nicht jedoch zu erlernen z. B. die eigene Wahrheitskonstruktion zu reflektieren. Zwar sind individuelle Bedürfnisse der zu Trainierenden wichtig, doch im Mittelpunkt des Trainings stehen nicht die Individuen, sondern die Trainingsinhalte.


Abschließend sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich in der Praxis immer seltener diese Hilfsangebote in Reinform vorfinden. So haben häufig Trainings gewisse Coachingbestandteile, um beispielsweise Ressourcen zu aktivieren oder hinderliche Verhaltensdefizite zu vergegenwärtigen. Nicht selten bringen aber auch Moderatoren oder Coaches sachlich-fachliche Inhalte und Aspekte mit in den Prozess, um beispielsweise gewisse Denkroutinen aufzulösen und neue Perspektiven zu ermöglichen. Ebenfalls kann es sein, dass in der Praxis ein Fachberater zum Zwecke des Inhalts- oder Lösungstransfers einzelne Workshops moderiert. Solche Vermischungssituationen sind also eher die Regel als die Ausnahme.

Aber genau deshalb glauben wir, ist es wichtig zu wissen, welches Unterstützungsangebot naturgemäß welchen Schwerpunkt hat, um einerseits für die eigenen Bedarfe das Richtige auszuwählen und andererseits die richtigen Erwartungen darein zu setzen.